Buchrezension: Martin Wehrle - "Herr Müller, Sie sind doch nicht schwanger?"

In der letzten Buchrezension haben wir uns den bekannten Karriere- und Gehaltscoach Martin Wehrle und sein Buch "Geheime Tricks für mehr Gehalt" angeschaut. Heute lesen wir das 2014 erschienene Buch "Herr Müller, Sie sind doch nicht schwanger?". Wärmt schonmal eure Lachmuskeln auf!

Kurzinfo

Von Martin Wehrle habe ich ja bereits geschwärmt :) Dieses Buch setzt aber nochmal einen drauf: So ein amüsantes Buch über die Karriere von Frauen habe ich noch nie gelesen! Zumal es zu 100 % aus dem realen (Berufs-)Alltag einer Frau gegriffen ist. Mit 303 Seiten ist es eine abwechslungsreiche Lektüre, die ab der ersten Seite sehr flüssig und stimmig geschrieben ist.

Das Buch

Bereits das Vorwort deutet auf ein spannendes und interessantes Buch hin: "Was wäre los im Land, wenn ältere Managerinnen in ihren Vorzimmer leichtbekleidete Jünglinge als Chefsekretäre hielten? Wenn Männer ein Fünftel weniger als Frauen verdienten, obwohl sie mehr Gewinn erwirtschaften? Wenn jedes Bewerbungsgespräch nur für Männer zum Polizeiverhör würde, heimliche Frage: "Planen Sie Kinder?" Wenn ja: Klappe zu, Bewerbung tot."

 

Schauen wir uns das Buch also genauer an: Herr Wehrle erzählt uns die Geschichte von Peter Müller - natürlich ein erfolgreicher Macho in leitender Position mit entsprechendem Gehalt - der eines Morgens (oh Schreck!) als Petra Müller in einem Frauenkörper aufwacht. Doch der Schreck wird noch größer: In Vorstellungsgesprächen geht es primär nicht um seine Qualifikationen, sondern um seinen Bauch (er könnte ja schwanger werden oder sogar schon sein!). Er verdient auf gleicher Position nur noch die Hälfte, und seine Sekretärin ist ihm auch abhandengekommen (als Frau braucht man wohl niemanden im Vorzimmer). Doch daheim ist es auch nicht viel besser: Anstatt sich nach einem arbeitsreichen 10-Stunden-Tag an den gedeckten Essenstisch zu setzen und ein Bier zu genießen, muss Peter Müller sich noch um die Wäsche und den längst überfälligen Abwasch kümmern. 

 

Einer meiner Lieblingszitate aus dem Buch: "Welcher Tarifvertrag regelt es, dass Tätigkeiten wie Teekochen, Getränke servieren und Spülmaschinen einsortieren zur Arbeit einer Sekretärin gehören?"

 

Auch das Thema "Kind mit Karriere" kommt natürlich nicht zu kurz. Zusammengefasst: "Moderne Firma haben erkannt: Mutter-Sein ist die beste Management-Schulung. Mütter trainieren in ihrem Alltag, Menschen zu Führen, denn Erziehen heißt Leiten. Mütter trainieren, ein Budget zu verantworten, denn jeder Haushalt verlangt Wirtschaften. Und Mütter trainieren, Prioritäten zu setzen und zu organisieren, denn nur so lässt sich der kleine Betrieb namens "Familie" leiten." Leider sind sich Mütter selten dessen bewusst und entschuldigen sich regelrecht dafür, dass sie ein Kind geboren haben. 

 

So amüsant Herr Wehrle das alles geschrieben hat - es ist leider auch die bittere Wahrheit! In 75 % des Buches konnte ich mich wiederentdecken, und wenn ich mal Kinder habe, sind es wohl 100 %. Das Buch ist voll und ganz aus dem Alltag von zig Millionen Frauen gegriffen und - auch wenn es manchmal den Anschein hat - keineswegs übertrieben. Es ist nicht nur eine kurzweilige Lektüre für Frauen, ich möchte es auch jedem Mann (vor allem den Führungskräften) ans Herz legen. Vielleicht ändert sich ja doch mal etwas für uns Frauen! Doch das liegt auch in unserer eigenen Hand: Wir als Frauen müssen endlich realisieren, welch hervorragende Arbeit wir jeden Tag leisten. Nicht nur im Job, auch im privaten Bereich. Wir müssen begreifen, was in Punkto Gehalt und Führungsposition möglich ist und dies offensiv einfordern. Denn wenn wir uns nicht für unsere eigenen Belange einsetzen - warum sollten es andere tun? 

 

Ein Zitat noch zum Abschluss:

"Jeder Ingenieur, der sich um eine Maschine kümmert, verdient das Dreifache von einer Altenpflegerin, die sich um Menschen kümmert. Das ist ungerecht, nicht nur gegenüber den Frauen, das wirft ein schlechtes Licht auf unsere Gesellschaft."

Fazit

 

Hervorragende 5 von 5 Sternen, das Buch muss man(n) unbedingt gelesen haben! Auch wenn es mit viel Witz und Humor geschrieben ist, ist es doch zu 100 % aus der Realität und niemals aus der Luft gegriffen. Ich lege das Buch nicht nur allen Büromitarbeitern ans Herz, sondern vor allem den (männlichen) Vorgesetzten. Behaltet dabei im Hinterkopf: Martin Wehrle trifft den Nagel auf den Kopf! Und das, obwohl er ein Mann ist ;-) Somit eine ganz klare Lese-/Kaufempfehlung. Viel Spaß dabei!


Welche Kuriosität ist euch schon als Frau im Beruf widerfahren? Erzählt uns davon in den Kommentaren!

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