Langeweile auf der Arbeit

Das gibt es?

"Was, habe ich richtig gelesen? Langeweile auf der Arbeit? So etwas habe ich ja noch nie gehört, das gibt's doch gar nicht!" War das gerade euer Gedanke? Bestimmt nicht von allen, aber wohl doch von einigen. Doch ja, das gibt es: Langeweile auf der Arbeit. Ich habe es in meinem ersten Job am eigenen Leib erfahren. Nichts zu tun, man vertrödelt den Tag mit Träumen, Tee trinken und (wenn es erlaubt ist) im Internet surfen. Man ist permanent unterfordert und sehnt sich nach anspruchsvoller Arbeit. Geht das über längere Zeit so, droht sogar ein Boreout.

Nichts zu tun?

Es gibt Monate, in denen ist nicht viel los - z. B. im August, wenn die Hälfte des Landes im Urlaub ist. Auch branchen- und witterungsbedingte ruhige Phasen gibt es. In dieser Zeit solltet ihr euch Aufgaben suchen, die sonst nie oder nur ungern erledigt werden: Archiv ausräumen, Schränke auswischen, Ordner auf Aktualität hin prüfen, Vorlagen erstellen oder Vorbereitungen treffen, wenn die stressigere Phase wieder losgeht. Im August könnt ihr zum Beispiel schon wunderbar mit den Weihnachtsvorbereitungen beginnen!

 

Wer nicht nur zeitweise, sondern auf Dauer keine sinn- und anspruchsvollen Aufgaben hat, sollte das Gespräch mit seinem Vorgesetzten suchen. Gemeinsam sucht ihr nach Lösungen. Ist der Chef keine Hilfe, könnt ihr selbst tätig werden und euch in neue Dinge einarbeiten (z. B. eine Sprache lernen). Ich bin während meiner Langeweile-auf-der-Arbeit-Phase auf die Weiterbildung zur Managementsassistentin gestoßen, was der erste bedeutende Schritt in meiner Karriere war.

Eine andere Möglichkeit ist, sich innerhalb des Unternehmens versetzen zu lassen. Sollte auch dies keine Besserung bringen, müsst ihr euch über einen Wechsel Gedanken machen - sonst droht euch ein Boreout!

Was ist Boreout?

Boreout ist das Pendant zum Burnout, und kommt öfter vor als es uns bewusst ist. Wenn jemand wegen Überforderung erkrankt, versteht die Gesellschaft das - aber wegen Unterforderung? Dazu meinte Wolfgang Merkle gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Jahr 2010: "Das hat damit zu tun, dass jeder lieber Störungen hat, die sozial angesehen sind. Jemand, der erzählt "Ich habe so viel zu tun, mein Gott, mir kracht die Bude zusammen vor Arbeit", ist sehr viel angesehener als jemand, der sagt, er langweilt sich, hat keine Aufgaben, und das macht ihn fertig. Da sagt doch jeder "Mit dir möchte ich tauschen, das ist ja super!" 1

Woran erkennt man Boreout?

Dabei sind Betroffene nicht etwa faul oder würden sich vor Arbeit sträuben. Im Gegenteil: Oftmals sind sie sehr ehrgeizig, wollen "etwas erreichen". Doch entweder unterfordert sie ihr Job oder sie haben ein falsches Aufgabengebiet (Beispiel: Ein Außendienstmitarbeiter soll plötzlich in die Buchhaltung). Damit den Kollegen oder gar dem Chef die Unterforderung nicht auffällt, wird jede noch so kleine Aufgabe in die Länge gezogen, teilweise werden sogar Überstunden gemacht. Paradoxerweise erzählen sie ihren Kollegen von den Bergen von Arbeit, den sie noch zu bewältigen haben.

 

Die Symptome sind ähnlich wie beim Burnout: Depression, Niedergeschlagenheit, Antriebs- und Schlaflosigkeit, etc.

 

Wer sich näher für das Thema interessiert, dem empfehle ich das Buch "Diagnose Boreout: Warum Unterforderung im Job krank macht"* von Phillippe Rothlin.

Kennt ihr Langeweile im Job? Habt ihr dafür eine Gegenstrategie?

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