Schwanger im Job: Wie sag ich's meinem Chef?

Eine Schwangerschaft zu verkünden, gleicht in den vielen Unternehmen einem Ritt durch ein Minenfeld. Noch schwieriger ist es für eine Sekretärin: Denn ein Chef hängt ganz persönlich an seiner Sekretärin, immerhin ist sie seine vertrauteste und wichtigste Mitarbeiterin. Wie fasst man das also in „schonende“ Worte? 

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Die rechtliche Seite

Eine Schwangerschaft ist für die meisten Frauen eine wunderbare Sache, die sie am liebsten sofort in die Welt hinausposaunen möchte. Doch warte lieber noch damit! Denn bis zur zwölften Woche besteht eine erhöhte Gefahr, dass du das Kind noch verlierst (was ich natürlich nicht für dich hoffe!). Und sei ehrlich: Mit deinem Chef über eine Fehlgeburt zu sprechen, steht nicht gerade auf deiner Liste der besten Small-Talk-Themen oder?

 

Entgegen der weit verbreiteten Annahme, dass der Arbeitgeber sofort informiert werden muss, kannst du dir mit der Verkündung deiner Schwangerschaft Zeit lassen. Such dir einen für dich passenden Zeitpunkt aus – und wenn es erst in der 20. Woche ist! (Was aber je nach Wachstum des Bauches schwierig werden könnte …)

 

Der Fairness halber würde ich allerdings nicht zu lange warten. Zudem gibt es bestimmte rechtliche Regelungen, die ab der Verkündung gelten: Z. B., dass du dann keine schweren körperlichen Arbeiten mehr verrichten oder gesundheitsgefährdenden Stoffen ausgesetzt werden darfst. Auch Akkord-, Fließband-, Sonntags- oder Nachtarbeit fällt nun flach. Was es rechtlich sonst noch zu beachten gibt:

  • Schwangere dürfen nicht mehr als 8,5 Stunden täglich oder 90 Stunden innerhalb von zwei Wochen arbeiten
  • Es gilt ein besonderer Kündigungsschutz vom Beginn der Schwangerschaft bis vier Monate nach der Entbindung
  • Dieser Kündigungsschutz gilt auch in der Probezeit (selbst dann, wenn die Frau zum Zeitpunkt der Einstellung über ihre Schwangerschaft Bescheid wusste und nichts gesagt hat)
  • Einzige Ausnahme von dieser Regel: Es wurde vereinbart, dass nach Ablauf der Probezeit ein neuer Vertrag geschlossen wird (schaue nach der Klausel "Mit der Probezeit endet dieser Vertrag.")
  • Wenn du ein ärztliches Attest vorlegst, kann die Beschäftigung verboten werden (entweder teilweise oder sogar ganz); das bedeutet für den Arbeitgeber, dass du bei vollem Lohnausgleich von der Arbeit freigestellt werden musst!

Nach einer wahren Geschichte: So war es bei mir

Mein Freund und ich hatten zwar schon mal über Kinder gesprochen, aber so richtig geplant hatten wir das nicht. Nachdem ich keinerlei typische Anzeichen wie Übelkeit oder Geruchsempfindlichkeit hatte, haben wir es auch erst sehr spät gemerkt (erst in der 12. Woche, das erste Trimester war also praktisch schon vorbei!). Von da an packte mich die Panik: Ich hatte gerade erst meinen unbefristeten Arbeitsvertrag in der Tasche und war in den vorherigen Wochen eher schlecht auf die Arbeit zu sprechen. Und jetzt sollte ich verkünden, dass ich eh bald weg bin? Eine absolute Katastrophe!

 

Doch ich wollte auch nicht länger als nötig warten. Ich hatte nämlich ständig das Gefühl, dass jemand auf meinen wachsenden Bauch starrt oder jemand bemerkt, dass ich plötzlich keinen Cappuccino mehr trinke und wesentlich mehr esse als gewohnt (ja, ich habe in meiner Schwangerschaft Unmengen gegessen!). Das war natürlich Quatsch, doch mein Kopf versetzte mich regelrecht in Angst und Schrecken. Also suchte ich mir einen günstigen Tag, an dem ich es meiner Chefin, meinem Chef und meiner Arbeitskollegin mitteilen wollte. Da gerade Urlaubszeit war, blieb mir nicht viel Spielraum. Meine Chefin kam an einem Mittwoch aus ihrer Atempause zurück, mein Chef trat am darauffolgenden Montag seinen Urlaub an. Eigentlich hatte ich geplant, es am Donnerstag zu verkünden – doch meine Nerven waren bereits Dienstagabend dermaßen am Ende, dass ich den gesamten Mittwoch keinen einzigen Pinselstrich zusammenbrachte. Eine gute Stunde vor Feierabend entschloss ich mich kurzfristig, meine Schwangerschaft heute publik zu machen. Ich hatte mir eine richtig gute Rede einfallen lassen, doch im Büro meiner Chefin stand ich kurz vor dem Nervenzusammenbruch. Anstatt meiner langen Ansprache schaffte ich gerade einen winzigen Satz: „Ich bin schwanger.“ Kurz und knapp, ohne Erklärung oder Ausführung. Einfach nur die bloße Mitteilung. Entgegen meiner schlimmsten Vorstellungen fasste es meine Chefin auch sehr gut auf und fand einige ermutigende Worte (sie wusste ja bzw. konnte ahnen, dass das keine geplante Schwangerschaft war). Das wiederrum beruhigte mich sehr; ich ging wesentlich entspannter zu meinem Chef und teilte es ihm ebenfalls mit. Da er selbst Vater von vier Kindern ist, nahm er es ebenfalls sehr gut auf und freute sich aufrichtig. Alles in allem war es also ein wesentlich kleineres Drama als ich es mir ausgemalt hatte!

 

Am nächsten Tag erzählte ich es noch den Kollegen, mit denen ich mich am besten verstehe. Alle anderen erfuhren es entweder durch den Flurfunk oder durch Zufall. Was mir dabei besonders positiv auffiel: Alle freuten sich, doch gleichzeitig bedauerten sie meinen baldigen Weggang. Das zeigte mir, dass ich mir einen guten Ruf aufgebaut hatte und meine Arbeit wertgeschätzt wurde!  

Wie hast du deinem Vorgesetzten mitgeteilt, dass du schwanger bist? Wie hat er/sie es aufgenommen?

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