Recht ists's: Die Sache mit dem Weihnachtsgeld

Weihnachtsgeld
Bild von Pixabay; Fotograf: Peggy_Marco

Ich freue mich jedes Jahr auf meine Gehaltsabrechnung im November. Warum? Weil ich zu den Glücklichen gehöre, die von ihrem Arbeitgeber zu Weihnachten eine schöne Finanzspritze bekommen - das Fest wäre also gerettet!

Doch wie sieht es rechtlich mit dem Weihnachtsgeld aus? Haben wir einen gesetzlichen Anspruch darauf? Kann der Arbeitgeber uns diese Freude einfach streichen, wenn das Jahr schlecht gelaufen ist? Das beleuchten wir heute genauer.

Gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf Weihnachtsgeld?

Leider nein. Weihnachtsgeld ist eine freiwillige Leistung eures Arbeitgebers, die schriftlich (z. B. im Arbeitsvertrag) festgehalten sein muss. Auch ein Blick in Tarifverträge oder auch Betriebsvereinbarungen lohnt sich, denn hier sind oftmals Details zum Thema Weihnachtsgeld festgehalten.

Ein besonderer Fall stellt die "betriebliche Übung" dar (auch "Gewohnheitsrecht" genannt): Hat euch euer Arbeitgeber die letzten drei Jahre diese Finanzspritze gewährt, entsteht für euch ein rechtlicher Anspruch darauf. Voraussetzung dafür ist, dass das Weihnachtsgeld in jedem der drei Jahre gezahlt wurde, also ohne Unterbrechung (wobei die Höhe variieren kann). Aber Achtung: Weist euer Arbeitgeber z. B. im Arbeitsvertrag explizit darauf hin, dass es sich hier um eine freiwillige Leistung handelt, entsteht auch nach drei Jahren kein rechtlicher Anspruch!

Mein Kollege bekommt Weihnachtsgeld, aber ich nicht! Ist das zulässig?

Es ist möglich, dass ein bestimmter Personenkreis von der Weihnachtsgeldzahlung ausgeschlossen wird. Dazu gehören oftmals Abteilungsleiter (meistens sind hier Extra-Zahlungen bereits im Gehalt eingeschlossen) oder Vertriebler, die auf Provisionsbasis arbeiten.

Es ist jedoch nicht möglich, dass Kollege Müller Weihnachtsgeld erhält, während Kollege Maier trotz gleicher Voraussetzungen darauf verzichten muss. Das wäre Diskriminierung!

Teilzeitkräfte erhalten anteiliges Weihnachtsgeld.

Das Jahr war wirtschaftlich gesehen ein Desaster. Können wir trotzdem auf Weihnachtsgeld hoffen?

Wenn euer Arbeitgeber die letzten drei Jahre ohne Vorbehalt Weihnachtsgeld gezahlt hat (Stichwort betriebliche Übung), muss er das auch in einem wirtschaftlich schlechten Jahr tun. Streicht er es euch trotzdem, muss dies durch eine Änderungskündigung geschehen (was eigentlich nur passiert, wenn das Unternehmen bereits von einer Insolvenz bedroht ist). Eine bloße Information am Schwarzen Brett oder im Intranet reicht nicht aus, da jeder Mitarbeiter einzeln informiert werden muss!

Ich habe während des Jahres gekündigt. Bekomme ich anteiliges Weihnachtsgeld?

Das lässt sich pauschal leider nicht beantworten und muss im Einzelfall geprüft werden. Voraussetzung für diesen Bonus ist, dass das Weihnachtsgeld eine sogenannte "Gratifikation mit Mischcharakter" darstellt. Das bedeutet, dass das Weihnachtsgeld einerseits als Anerkennung für eure Betriebstreue, andererseits für die erbrachte Arbeitsleistung gezahlt wird. 

Kündigt ihr z. B. zum 30. September, bekommt ihr - rein theoretisch - 1/9 des Weihnachtsgeldes zugesprochen. Das gilt übrigens auch, wenn ihr gekündigt werdet!

Aber wie gesagt, im Ernstfall solltet ihr auf alle Fälle einen Arbeitsrechtler zu Rate ziehen, der euren Fall genauer beleuchtet.

Bekommt ihr Weihnachtsgeld?

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Kommentare: 2
  • #1

    Dunal (Mittwoch, 07 Dezember 2016 11:50)

    Ja, gut geschrieben.

  • #2

    Anja (Mittwoch, 07 Dezember 2016 15:19)

    Danke Dunal! :)